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Verkehrssicherheitsbericht 2015

Verkehrsunfallstatistik: Zahl der Unfälle mit schweren Folgen rückläufig

Polizeipräsident Volker Kluwe und Uwe Lange, Leiter des Dezernats für Einsatz und Verkehr, haben heute im Rahmen der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik des Jahres 2015 einen Ausblick auf die Verkehrssicherheitsarbeit 2016 gegeben. „Wir haben im vergangenen Jahr erneut einen Anstieg der Gesamtunfallzahlen verzeichnet. Entgegen dem Landestrend sind jedoch die Zahlen der schweren Verkehrsunfälle mit verletzten und verstorbenen Personen in der Polizeidirektion Hannover rückläufig." − mit diesen Worten leitete der Polizeipräsident die Vorstellung des Jahresberichts ein. 2015 ist es im Bereich der Polizeidirektion (PD) Hannover zu insgesamt 35.398 Verkehrsunfällen gekommen und somit zu 1.870 Unfällen mehr als im Jahr 2014. Das bedeutet eine Zunahme um 5,6 Prozent.

Trotz des Anstiegs der Gesamtunfallzahlen ist die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Zahl der tödlich verunglückten Menschen ist nach dem starken Anstieg im Jahr 2014 auf 64 im vergangenen Jahr wieder auf 49 gesunken und erreicht somit in etwa das Niveau der Jahre 2008 und 2009.
Insgesamt sank die Anzahl der bei Unfällen verletzten und getöteten Personen im Raum Hannover von 6.671 um 2,8 Prozent auf 6.484.

Verkehrstote
Entgegen dem landesweiten Trend (plus 2,5 Prozent) ist die Zahl der im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Menschen im Raum Hannover im vergangenen Jahr um 23,4 Prozent auf 49 Personen (2014: 64) gesunken. In der Landeshauptstadt starben sieben Menschen, im Umland 30 und auf den Autobahnen zwölf Personen. Unter den Opfern befanden sich zwölf Senioren, neun junge Erwachsene und ein Kind im Alter von zehn Jahren. Allein 13 der 30 getöteten Personen im Umland starben bei Baumunfällen.

Schwerverletzte
2015 sank die Gesamtzahl der Schwerverletzten bei Unfällen um 11,1 Prozent auf 569 Personen. Während in der Stadt ein Rückgang auf 234 (2014: 283) schwerverletzte Personen zu verzeichnen ist, bleibt es mit 283 Personen im Umland auf einem ähnlichen Niveau wie 2014 (289).
Auffällig ist jedoch ein Anstieg der Schwerverletzten bei den Risikogruppen der Kinder von 28 auf 40 und bei den Senioren von 135 auf 143.

Risikogruppen
Der Trend der vergangenen Jahre bei den verunglückten Kindern in der Landeshauptstadt hat sich weiter fortgesetzt und die Zahlen sind erneut leicht gesunken (von 199 auf 189). 172 von ihnen wurden leicht verletzt (2014: 182) und 17 erlitten, wie auch 2014, schwere Verletzungen. Im Umland verunglückten 213 Kinder (2014: 206) - eines starb (2014: vier), 20 wurden schwer verletzt (2014: acht), 192 erlitten leichte Verletzungen (2014: 194).

Besonders auffällig ist die steigende Zahl der schwerverletzten Kinder, die zu Fuß (von 13 auf 21) oder mit dem Rad (von sechs auf elf) unterwegs waren.
Hierzu führt Uwe Lange an: „Kinder stehen nach wie vor ganz besonders im Fokus unserer Arbeit. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb das Angebot der Radfahrausbildung mit unseren Kooperationspartnern auf die Fünft- und Sechstklässler ausgeweitet. Auch das Konzept „Neue Schule, neuer Schulweg, neue Mobilität" wurde vorangetrieben − es soll Kinder für ihren neuen Schulweg sensibilisieren und auf die Gefahren, die damit verbunden sind, aufmerksam machen. Die Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) weist einen Rückgang um 63 Leichtverletzte auf 921 auf. Die Zahl der Schwerverletzten sank von 74 auf 62, während die Zahl der Getöteten von drei auf neun stieg - allein vier starben bei Verkehrsunfällen in Folge überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit. Einen erneuten Anstieg verzeichnet die PD Hannover bei den verletzten Senioren (ab 65 Jahre). Im letzten Jahr wurden 830 Senioren verletzt (2014: 756). 687 von ihnen verletzten sich leicht, 143 schwer - zwölf verstarben.

Die Senioren über 75 Jahre waren mit sechs Getöteten und 79 Schwerverletzen erneut am stärksten in dieser Gruppe betroffen. 35 der Schwerverletzten waren als Radfahrer, 17 als PKW-Fahrer und 16 als Fußgänger unterwegs.

Stadtbahnunfälle

Ereigneten sich 2014 noch 127 Unfälle unter Beteiligung von Stadtbahnen so sanken diese im Jahr 2014 auf 114. Dabei wurden zehn (2014: 13) Menschen schwer und 50 (2014: 67) leicht verletzt. Erfreulicherweise kam es im letzten Jahr zu keinem Unfall mit Todesfolge.
Diese Zahlen stimmen insbesondere nach dem Anstieg der bei Unfällen mit Stadtbahnen getöteten Menschen von drei im Jahr 2013 auf sieben im Jahr 2014 sehr positiv. Die ÜSTRA hat seit 2014 in Kooperation mit der PD Hannover umfangreiche Maßnahmen getroffen, um das Unfallniveau zu senken.

Bundesautobahnen (BAB)
Auf den zur PD Hannover gehörenden BAB (2, 7, 37 und 352) kamen wie im Jahr 2014 zwölf Personen ums Leben. Die Gesamtunfallzahlen in diesem Bereich sind um 12,7 Prozent von 2.815 auf 3.172 angestiegen. Bei der vielbefahrenen BAB 2 handelt es sich erneut um die unfallträchtigste Strecke. Hier ließen neun Menschen ihr Leben.

Weitere zwei Personen verstarben nach einem Unfall auf der BAB 352 und eine weitere bei einem Unfall auf der BAB 7. Das entspricht zusammen einem Anteil von 24,5 Prozent aller Unfalltoten innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Polizeidirektion.
Einen Rückgang gibt es bei der Zahl der schwerverletzten Personen (2014: 68 und 2015: 52) auf den BAB in und um Hannover.

Unfallursachen

Auch 2015 kristallisierten sich bei Betrachtung der Gesamtunfallzahlen erneut Fehlverhalten bei Vorfahrts- und Vorrangregelungen, beim Abbiegen und die Missachtung des Sicherheitsabstandes als Hauptunfallursachen heraus. Bei Unfällen mit schwersten Folgen bleibt hingegen die überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit Unfallursache Nummer eins. Im Bereich der Vorfahrts- und Vorrangregelungen gab es eine Steigerung um 7,9 Prozent auf insgesamt 2.925 (2014: 2.711). Die Zahl der Fehler beim Abbiegen, die zu einem Unfall führten, blieb mit 2.351 nahezu auf dem Niveau von 2014 (2.378). Die Anzahl der unfallursächlichen Abstandsverstöße nahm um 4,8 Prozent (von 2.195 auf 2.300 Verstöße) zu. Der Unfallfaktor überhöhte oder nichtangepasste Geschwindigkeit weist erstmals in den letzten drei Jahren wieder einen leichten Anstieg um 2,3 Prozent (von 1.697 auf 1.736) auf.

Ausblick für 2016
Die PD Hannover wird auch in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf die Verkehrssicherheitsarbeit legen. Hierzu werden die bewährten Präventionsangebote fortgeführt, sowie neue Wege zur Steigerung der Sicherheit auf den Straßen in und um Hannover beschritten. So befindet sich seit 2015 ein Projekt zum Thema Ablenkung im Straßenverkehr in der Vorbereitung, das in diesem Jahr weiter forciert und zur Ideenexpo 2017 vorgestellt werden soll. Inhaltlich befasst sich das Projekt mit real stattgefundenen Unfällen, die unter enger Einbindung der Betroffenen rekonstruiert, verfilmt und mit Schülern der elften Klassen aufgearbeitet werden sollen.
Volker Kluwe: „In den vergangenen Jahren ist es offenbar aufgrund von Ablenkung vermehrt zu Unfällen gekommen. Daher werden wir hierzu in diesem Jahr einen Schwerpunkt bei den polizeilichen Kontrollen setzen. Auch der "Landesweite Verkehrssicherheitstag" am 18. Juni 2016 in Hannover wird unter dem Motto Ablenkung im Straßenverkehr stehen, um unseren Mitmenschen zu verdeutlichen, wie wichtig eine konzentrierte Teilnahme am Straßenverkehr ist."
Selbstverständlich werden auch die auf die Risikogruppen Kinder, junge Erwachsene und Senioren ausgelegten Konzepte weiterhin elementarer Bestandteil der polizeilichen Präventionsarbeit sein. Aufgrund der steigenden Unfallzahlen unter der Beteiligung von Senioren wird die PD Hannover mit seinen Kooperationspartnern insbesondere das Projekt "FIT im Auto" weiter vorantreiben.

2015 haben die Beamten der PD Hannover insgesamt 155.825 Verkehrsverstöße geahndet. Um den steigenden Unfallzahlen entgegen zu wirken werden auch in diesem Jahr wieder umfangreiche Kontrollen durchführen. Hierzu führt Polizeipräsident Kluwe abschließend aus: „Die Erhöhung der Verkehrssicherheit ist weiterhin ein zentraler und wichtiger Punkt der polizeilichen Arbeit. Neben umfangreichen Präventionseinsätzen werden wir in diesem Jahr auch wieder gezielte Verkehrsüberwachungsmaßnahmen planen und durchführen, die sich sowohl an den festgestellten Unfallursachen als auch an den betroffenen Zielgruppen orientieren."

Verkehrssicherheitsberichte der PD Hannover

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